Windeck-Gymnasium Bühl - News
27.07.2010 Verabschiedung Herr Schäfer, Einführung Herr Bangert
Am 27. Juli 2010 fand in der Mensa die feierliche Verabschiedung von Herrn Schäfer statt. Herr Schäfer begleitete das Windeck-Gymnasium zunächst als Lehrer und nach einem Wechsel nach Freudenstadt kehrte er als Direktor zurück. Sein Nachfolger wird Bruno Bangert aus Bietigheim. Herr Bangert wurde im Rahmen der Feierlichkeiten in sein neues Amt eingeführt.
Nachfolgend finden Sie die Rede von Hannelore Buchheister, die Herrn Schäfer von Seiten des Regierungspräsidiums offiziell verabschiedete.
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Striebel,
sehr geehrte Damen und Herren des Gemeinderats,
liebe Kolleginnen und Kollegen, Schülerinnen und Schüler und Eltern
geehrte Festgäste,
sehr geehrte Frau Schäfer,
vor allem und ganz besonders aber
sehr geehrter, Herr Schäfer
nur wenige von uns könnten mit Begriffen wie ‚Fliegenkopf, Schusterjunge, Hurenkind oder Zwiebelfisch’ das anfangen, wofür sie zur Verständigung eigentlich gebraucht wurden. Die Wörter stammen aus der Fachsprache der Buchdrucker und Schriftsetzer, Berufe, die es in dieser Form heute nicht mehr gibt, die Sie, Herr Schäfer, aber als Jugendlicher noch erlernt haben. Neil Postman nennt die Druckpresse das Stimmband und vergleicht sie in ihrer Bedeutung mit dem Fernrohr als Auge, „das den Zugang zu einer Welt neuer Tatsachen“ und „neuer Methoden“ eröffnet.
Sie haben in Ihrer Zeit als Schulleiter - immerhin fast ein Vierteljahrhundert - Ihre Stimme zuerst dem Kepler-Gymnasium Freudenstadt und seit 2001 dem Windeck-Gymnasium Bühl gegeben. Und Sie haben stets dafür gesorgt, dass diese Stimme sich niederschlägt: in der Herausgabe eines Jahrbuchs, der Erarbeitung und Beschlussfassung des Leitbilds, in der Schulorganisation und -entwicklung, um Wesentliches zu nennen.
Und weil man als Schulleiter zwar in manchen Belangen den Solopart übernehmen muss, sich aber nie ohne den vielstimmigen Klang des Kollegiums, der Schüler- und Schülerinnen und Eltern erfolgreich Gehör verschafft, danke ich Ihnen heute dafür, dass Sie zusammen mit allen am Schulleben Beteiligten bis zu Ihrem Eintritt in den Ruhestand zuerst das Kepler-, dann das Windeck-Gymnasium erfolgreich geleitet haben. Diesen Dank spreche ich zugleich im Namen des Schulpräsidenten, Herrn Dr. Schnatterbeck, und der Referenten und Referentinnen des Gymnasialreferats des Regierungspräsidiums aus.
Als der Protagonist in Heinrich Bölls berühmter Kurzgeschichte „Wanderer kommst du nach Spa“ als schwer Kriegsverletzter in seine alte Schule gebracht wird, erkennt er das ‚humanistische Gymnasium’ nur am Inventar, den klassischen Büsten und Friesen, den Türschildern und Portraits. Was er nicht erkennt, ist, ob es sich um seine eigene Schule handelt. Humanistische Werte waren bedeutungsleer angesichts der eigenen körperlichen und seelischen Zerrüttung. Erst die eigene Handschrift an der Tafel verortet den Protagonisten im Bildungsgut seiner Kultur und gibt ihm seine persönliche Geschichte. Bei Böll ist dies tragisch, dennoch weist das fiktionale Erlebnis über die historische Dimension hinaus auf eine zeitlose Wahrheit.
Wir müssen als Lehrende Räume öffnen, damit unsere Schüler und Schülerinnen sich selbst eine Lernbiographie schreiben können. Dazu brauchen Sie Zeit, Unterstützung und Anleitung, so dass sich aus fremden Inhalten neue Erkenntnisse für jeden einzelnen entwickeln, was verantwortungsvolles Handeln und Urteilen ermöglicht.
In diesem Sinne verstehe ich das Schulmotto Ihres Gymnasiums und die Leitsätze der Schulgemeinschaft. In unserem Abschlussgespräch haben Sie stets darauf verwiesen, wie wichtig Ihnen diese individuelle Förderung der Jugendlichen ist, die neben eine intellektuell anspruchsvollen fachwissenschaftlichen Bildung die Wertevermittlung und Erziehung stellt.
Heutzutage gleicht keine Schule mehr der anderen, und das ist gut so. Sie haben als Schulleiter, Herr Schäfer, die administrativen und pädagogischen Freiräume genutzt, um das Windeck-Gymnasium auf die speziellen Belange vor Ort anzupassen. Dazu gehören Vortragsreihen an der Schule und die vielen Kontakte zu schulischen und außerschulischen Partnern, der Schüleraustausch oder die Berufsorientierung. Zusammen mit den Eltern, den verschiedenen Schulgremien und dem Schulträger hat sich das Windeck-Gymnasium auf den Weg zur offenen Ganztagesschule gemacht, um damit gesellschaftlichen Bedürfnissen hier besser entsprechen zu können.
Für die umfangreichen Baumaßnahmen in dieser und in anderen Hinsichten möchte ich mich ganz herzlich bei dem Schulträger bedanken. Wenn man auf die Homepage der Schule schaut, dann spürt man, dass man hier lernt, lebt und mit Freude bei der Sache ist, sei es im Sport, auf dem Schulball oder im Theater. Und man entdeckt in der Bildergalerie auch einen Schulleiter, der trotz aller Mühen des pädagogischen Alltags noch beschwingt tanzen kann.
In unserem Abschlussgespräch haben Sie gemeint, dass es Ihnen nicht leicht fallen wird, nach so langer Zeit Ihre Schule aufzugeben. Sie waren gerne Schulleiter, das haben wir Sie auch im Referat so wahrgenommen: ich beneide Ihr Organisationstalent, das ja schon fast prophetisch weitsichtig vor allem bei Personalplanungen ist, und ich bedanke mich für die stets klare Haltung und die Verlässlichkeit bei Absprachen. Wir konnten uns nicht immer einig sein, denn manchmal sind die Interessen der Schule vor Ort nicht vereinbar mit den landesweiten Vorgaben und einer gleichmäßigen Versorgung aller Gymnasien. Aber Ihre Argumente waren stets nachvollziehbar, stets zum Wohle Ihrer Schule und Ihr Verhalten nie unfair. Das rechne ich Ihnen hoch an, und in den allermeisten Fällen haben wir gemeinsam anstehende Probleme zu einem guten Schluss gebracht.
Wenn Sie nun in den Ruhestand versetzt werden, gilt es sicher, viele planerische und organisatorische Talente umzuwidmen, vielleicht muss die eine oder andere Letter auch mal ausgetauscht werden. Die Erfahrung, in den Tag hineinleben zu können, ist sicher neu und ungemein spannend. So wie ich Sie kennen gelernt habe, ist Abstand gewinnen sicher bis zum letzten Schultag noch kein Thema, mit dem Sie sich ernsthaft befassen wollen. So ist es gut, dass es Freunde und die Familie gibt, die auf Sie warten, noch viele ungelesene Bücher, möglichst große Wissenslücken in bisher nicht beachteten Wissenschaften und viele noch nicht erkundete Straßen für das Motorrad. Ein weniger gut organisierter Geist als Ihrer würde jetzt bestimmt schon wieder den Drang zur Planung spüren, aber ich hoffe, dass Sie sich die neue Offenheit gönnen und genießen.
Für Ihren Ruhestand wünsche ich Ihnen alles Gute, Gesundheit, Einsichten in neue Ideenwelten und stets Kontrolle über Ihr Motorrad: get your motor running, Herr Schäfer.
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Frau Buchheister bei der Übergabe der Entlassungsurkunde an Herrn Schäfer.
Es freut mich, dass wir die Schulleitung am Windeck-Gymnasium nahtlos an einen Nachfolger übergeben können. Ich begrüße Herrn Oberstudienrat Bangert als neuen Schulleiter und wünsche Ihnen in Bühl viel Erfolg und eine glückliche Hand.
Sie kommen, Herr Bangert, vom Helmholtz-Gymnasium Karlsruhe und bringen einen großen Schatz an pädagogischen, fachlichen und organisatorischen Erfahrungen mit. Auch die Arbeit auf administrativer und politischer Ebene ist Ihnen als Mitglied eines Gemeinderats durchaus vertraut, Sie sind Schuldekan in Rastatt, ehrenamtlich Hauptschöffe beim Landgericht in Baden-Baden - und wenn ich all Ihre vielen Aktivitäten zusammenfasse, dann sind Sie ein Kenner of ‚many walks of life’. Das ist gut so - denn in der Schule wird Ihnen alles Menschliche begegnen, und wenn Erziehung und Bildung mehr sein soll als die ‚organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend’ - so empfand das Mark Twain - dann braucht man als Pädagoge und Schulleiter Lebenserfahrung und Wohlwollen.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich bei all der bildungspolitischen Unruhe den Blick für die Schülerinnen und Schüler und deren Bedürfnisse bewahren. Das bedeutet, dass Sie zusammen mit dem Kollegium und den Eltern sehr gründlich überlegen, welche schulischen Maßnahmen ergriffen werden müssen, damit sich die Lernumgebung verbessert. Und ich hoffe, dass Sie dabei mit Umsicht und Gespür mit den Lehrenden an Ihrem Gymnasium verfahren. Eine offene, fördernde und vertrauensvolle Lernumgebung zu gestalten lässt sich nicht vereinbaren mit rigiden Vorschriften und kleinschrittigen Vorgaben, die dem Kollegium keine Räume zur Mitwirkung lassen. Schließlich sind wir als Erwachsene auch in der Schulgemeinschaft dann am wirkungsvollsten, wenn wir als Vorbilder überzeugen - selbst, wenn unser Handeln den Jugendlichen unbequem erscheint.
Und schließlich wünsche ich mir, wenn Sie mit uns als Schulaufsicht zu tun haben, stets eine offene, faire und konstruktive Auseinandersetzung.
Sie merken, Herr Bangert, als Schulleiter sind Sie in Zwischenräumen verortet - ich habe Sie kennen gelernt als jemanden, der gerne Verbindungen schafft und Vernetzungen herstellt. Die Schulleiter unter uns werden Ihnen bestätigen, dass das eine wichtige Aufgabe sein wird. Und dass sich dabei leicht die Fäden verwirren können und es zum Glück einen Alexander, den Großen gab, dem man nachmachen kann, wie man zu dichte Knoten löst.
Mit Sicherheit wird die Tätigkeit als Schulleiter sehr abwechslungsreich. In Bühl haben Sie hervorragende Voraussetzungen und eine vielfältige Schulgemeinschaft. Gehen Sie Ihre Aufgabe mit Freude, Spannung, kenntnisreich und humorvoll an und haben Sie stets offene Augen und Ohren für die vielen guten Ideen der anderen.
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Frau Hannelore Bucheister beglückwünscht Herrn Bruno Bangert zu seinem neuen Amt als Schulleiter des Windeck-Gymnasiums in Bühl
Aktualisiert (Samstag, 28. August 2010 00:23)
