Frühling!

Lecker – Nektar gesucht und gefunden und Pollen gleich dazu bekommen!

„Das sieht ja aus wie im Biobuch!“ Die Schüler des Windeck mussten sich langsam und leise bewegen und sich sehr vorsichtig vorbeugen, um die Szene eingehend betrachten zu können: Auf der Wiese vor der Schule ließ eine Biene sich den Nektar schmecken, während der besuchte Wiesensalbei ihr über den bekannten Hebelmechanismus den Blütenstaub auf den Rücken und die schillernden Flügel drückte.

Seelenruhig flog das Tier wieder los und die Klasse verfolgte mucksmäuschenstill und konzentriert wie selten, wie das Insekt Blüte um Blüte absuchte um dann die nächste Pflanze aufzusuchen. „Nichts geht über die reale Anschauung – wir sind froh, dass sich die hier angelegte Magerwiese so gut entwickelt hat. Wir können die Exkursionen direkt vor der Haustür machen.“ die Biolehrer freuen sich über dieses Stück besondere Kulturlandschaft, das einerseits ein Stück artenreiche Natur in die Stadt holt und andererseits ein Beispiel für menschengeschaffene Lebensräume ist. Nach der Anlage der Wiese durch die Stadt BühI auf Wunsch der Biofachschaft war es im letzten Jahr erstmals nicht mehr nötig, das Volk im Schaubienenkasten zusätzlich mit Nahrung zu versorgen, denn die reich blühende Wiese bot einen gedeckten Tisch für die eifrigen Nektar- und Pollensammlerinnen. „Je artenreicher ein Ökosystem, desto stabiler ist es.“ lernen die 10. Klässler in der Ökologie: Hier steht der lebende Beweis vor dem Schultor. Im vergangenen Sommer, als alles verdorrte, musste man sich um dieses Fleckchen keine Sorgen machen, es überstand ohne jede Wässerung alle Hitzephasen. Der Vergleich mit dem benachbarten Rasen machte deutlich, welche Monokultur unmittelbar neben der brummenden Artenvielfalt steht. „Eigentlich eine Art grüne Wüste, “ befand eine Oberstufenschülerin. „Praktisch aber ökologisch nutzlos.“

Wölfe am Windeck

„Also, ein bisschen mulmig ist mir da schon!“ Jessica von der Gruppe der Waldrandbewohner machte ihrem Herzen ganz ehrlich Luft. Im Biosaal des Windeck-Gymnasiums schauten nämlich an diesem Tag im 4st Biokurs bei Barbara Becker zwei Wölfe mit ihren Jungen vorbei.

Glücklicherweise waren die Tiere aus Pappe und sicher begleitet von Martin Hauser, dem Wolfsbeauftragten des Landkreises Rastatt. Schnell teilten sich im Kurs nach Interessenlage die Meinungen: Je nachdem ob man zu den „Naturschützern“, den „Menschen, die sich gern in der Natur aufhalten“, den Touristen, Jägern oder eben den Waldrandbewohnern gehörte stellten sich die Einschätzungen zur Rückkehr des Wolfes in Baden-Württemberg sehr unterschiedlich dar. Es zeigte sich schnell, dass ein 19 köpfiger Biokurs in einer solchen Frage ein Spiegel der umgebenden Gesellschaft ist. Mit großer Offenheit und noch mehr Sachkenntnis ging Hauser allen Fragen und Ängsten nach. „Was war da los in Wildbad? So viele tote Schafe – dieser Wolf ist doch verhaltensgestört.“ Das Gegenteil ist der Fall: Manche Beutegreifer arbeiten bei der Jagd ein regelrechtes Verhaltensprogramm ab, bei dem eine Phase erst dann folgen kann, wenn die andere beendet ist. Und bei einem derartigen „Surplus killing“ findet der Angreifer nicht aus dem Jagd- und Tötungsverhalten heraus, weil es immer neu angeregt wird. „Dasselbe macht ein Fuchs im Hühnerstall“ erläuterte der erfahrene Förster und Jäger Hauser. „Klar, in der Natur würden die anderen Tiere weglaufen, aber genau das können sie ja wegen des Zaunes nicht!“ Luca hat das Problem klar erkannt und fragte sich jetzt: „Wie kann man das verhindern?“ Hauser beschrieb ausführlich die nun absolut notwendige Ausstattung mit wolfsicheren Zäunen: „ Wir dürfen einem Wolf keinesfalls beibringen, dass er hier leichte Beute findet.“ Und dass dies eine große (und teure!) Umstellung für alle Halter von Weidetieren darstellt verstand der Kurs sofort. „Wie ist das mit Hunden? Da gibt´s doch so spezielle Rassen – oder?“ Einzelne hatten natürlich schon von Herdenschutzhunden gehört und wussten, dass diese Tiere in manchen Ländern Europas schon immer in der Schaf- und Ziegenhaltung Standard waren: „Da kann und sollte man von Rumänien lernen!“ Hauser stimmte klar zu,  wies aber auch darauf hin, dass die Haltung und Abrichtung dieser Tiere nicht einfach sind und sich erst ab einer gewissen Herdengröße lohnen. „ Gut – wir müssen uns umstellen, ganz klar. Aber das können wir auch – ich finde es gut, dass der Wolf zu uns zurückkehrt, er gehört in unseren Wäldern dazu!“ Sarah ist sich da ganz sicher. Und ihre Meinung teilten bei der Abstimmung am Schluss fast 90% des Kurses – auch wenn der Wolf in den gängigen Märchen und Sprichworten eher der Übeltäter schlechthin ist. Allerdings sagt man in Russland: „Wo der Wolf jagt wächst der Wald!“ Und das gefällt auch den Waldrandbewohnern wie Jessica.

Biologie konkret: Blühende Blumenzwiebeln

„Eigentlich darf man das hier nicht betreten – und für das Foto sind wir ganz vorsichtig!“ Timo aus der 5a des Windeck-Gymnasiums versuchte erfolgreich das Kunststück, sich umsichtig und gleichzeitig cool auf der Wiese vor der Mensa niederzulassen. Im Herbst hatten die Klassen 5 a und 5 c im Biounterricht  Blumenzwiebeln näher untersucht und dabei herausgefunden, dass zum Beispiel Tulpen in diesen unterirdischen Sprossen die Nährstoffe, die sie im nach dem Winter zum Austreiben brauchen, in den Blättern speichern. Diese „Vesperpakete“, mit denen die Pflanzen die kalte Jahreszeit überstehen, hatten die Schüler auf der Wiese ausgepflanzt –  und dann geschah erwartungsgemäß monatelang nichts. Doch seit Ostern treiben sie mit Macht aus: Sibirischer Blaustern, Elfenkrokusse und eine Wildform der Trompetennarzisse sind die ersten Farbtupfer, die sich auf der an der Schule angelegten Wiese zeigen. „Jetzt sollten wir uns die Blüten genauer anschauen! Die sehen in Vasen zwar schön aus, aber dafür sind sie schließlich nicht gebaut.“ Biolehrerin Barbara Becker hat die Tulpen für den BNT Unterricht schon bestellt und plant, über Kirsch- und Apfelblüten und deren Bestäubung bis zu den Früchten vorzustoßen. Die Fachschaft Biologie hofft sehr, auch in diesem Jahr wieder Herrn Hensels Schaubienenkasten auf der Wiese haben zu können, damit die Bedeutung der Bienen als Bestäuberinnen deutlich wird. Sind die Früchte gebildet, gibt´s einen Obsttest für die Klassen inklusive. Denn so können die Schüler die Verbreitungsstrategien der Kirschen in der Praxis nachvollziehen: Ein Obstbaum kann nicht aus Balzhofen nach Bühlertal wandern, der Kirschkern im Magen eines Vogels aber sehr wohl. Und in der Tupperdose schaffen es Kirschen locker kilometerweit bis in die Schule um dann beim Kirschkernweitspucken in der Pause verbreitet zu werden. Ein klasseninterner Wettbewerb ist vorprogrammiert!

Exkursion ins Kinderwunschzentrum des Klinikums Mittelbaden

 

Der vierstündige Biologiekurs von Herrn Senski besuchte im Rahmen einer Exkursion das Kinderwunschzentrum des Klinikums Mittelbaden in Bühl.

Der zuständige Biologe Dr. Wolfgang Bernart hatte sich an diesem Tag Zeit für den Kurs genommen und sich zu einer Führung bereit erklärt, um einen Einblick in seinen Arbeitsalltag zu gewähren.

Nach der Begrüßung und einer kurzen Einführung in die Hygienevorschriften begann die Führung im Operationssaal. Dieser sei der Ort für kleinere Eingriffe, die zur Vorbereitung oder den Vollzug der künstlichen Befruchtung dienen. Darüber hinaus erklärte er die Funktion der sich im Raum befindenden Geräte und antwortete detailliert auf alle Fragen der Schülerinnen und Schüler.

Im Labor ging die Führung weiter. Es folgten weitere Erklärungen und Demonstrationen zur Arbeitsweise mit einem Brutschrank, mehreren verschiedenen Mikroskopen und der Einlagerung von Eizellen und Spermien durch Zuhilfenahme von flüssigem Stickstoff.

Schließlich durften mehrere Schüler des Kurses nach einer Einführung und unter fachkundiger Anleitung durch Herrn Dr. Bernart selbst eine IUI (= Intrazytoplasmatische Spermieninjektion: Methode der künstlichen Befruchtung) an einer toten Zelle vollziehen, um besser zu verstehen, wie eine Befruchtung außerhalb des weiblichen Organismus vonstatten geht.

Anschließend wurden die Schülerinnen und Schüler in gemütlicher Runde bei Tee und Keksen über Gründe einer ausbleibenden Schwangerschaft, der künstlichen Befruchtung und alternativen Methoden einer künstlichen Befruchtung aufgeklärt.

An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Dr. Wolfgang Bernart, der sich an diesem Vormittag die Zeit genommen hat und unsere Fragen sehr kompetent beantwortete.

Emilie Baur

Frühblüherpflanzenaktion

„ Das sind die Wurzeln – die müssen nach unten!“ Hate weiß genau, wie die Krokuszwiebel in das frisch gegrabene Loch muss. Die Klassen 5a und 5c des Windeck-Gymnasiums hatten im Biounterricht zuerst Gemüsezwiebeln näher untersucht und dabei herausgefunden, dass die Pflanzen in diesen unterirdischen Sprossen die Nährstoffe, die sie nach dem Winter zum Austreiben brauchen, in den Blättern speichern. Ein „Vesperpaket“ sind diese Zwiebeln also und eine Superanpassung, um den Winter in der immer noch relativ warmen Erde gut zu überstehen. Und genau dahin kommen sie jetzt auch: Sibirischer Blaustern, Elfenkrokusse und eine Wildform der Trompetennarzisse hat Biolehrerin Barbara Becker bei Strickler, einer Spezialgärtnerei für Wildpflanzen, bestellt. Auf der Blumenwiese am Windeck haben sich die 5. Klässler in Gruppen verteilt, graben mit großem Elan die passenden Löcher und legen jeweils drei oder vier der Zwiebeln hinein. „Gut abdecken, dass da nix drankommt! Und tritt die anderen Blumen nicht platt!“ Auch die Jungs haben kapiert, wie man sich als kompetenter Naturgärtner verhalten sollte. Nach getaner Arbeit schnell ein Gruppenbild und dann zurück in den Biosaal, wo noch eine ganz praktische Überraschung wartet. Jedes Kind darf 3 Krokuszwiebeln mit heim nehmen, um sie im Garten auszupflanzen. Was für eine schöne Hausaufgabe! Vor allem für Dennis: Er hat nämlich insgesamt neun Zwiebeln abgegriffen, denn zwei seiner Kumpels haben ihm großzügig ihre überlassen: „Die kommen jetzt alle in mein Beet!“ Und werden dort hoffentlich schön blühen und sich dann auch eifrig vermehren.

 

Biokurs Becker /SMV gewinnt 2. Platz bei Spendenaktion für AIDS Hilfe Karlsruhe

Bei der diesjährigen gemeinsamen Sammelaktion des Biokurses Becker mit der SMV zugunsten der AIDS Hilfe Karlsruhe kamen unglaubliche 1.022,07 Euro zusammen!
Damit hat das Windeck unter insgesamt 31 beteiligten Schulen einen wirklich großen Teil zu den Gesamtbetrag von fast 7.300 Euro beigetragen. Grund genug für die AIDS Hilfe Vertreterinnen und Vertreter der Teams der drei Siegerschulen zu einer Ehrung nach Karlsruhe zu bitten. Als Dankeschön gab es Schwimmbadkarten für´s Europabad, Hanutas, Teddybären und mehr.

Der Biokurs hat jetzt jedenfalls ein neues haariges Maskottchen und HIV geringere Chancen!

Zum Beitragsbild: Preisverleihung in Karlsruhe

Den ersten Preis bekam das Team des Goethe-Gymnasiums-Gaggenau, den zweiten das Windeck. Der dritten ging an das Dominikus-Gymnasium Karlsruhe.

Klasse 8 „ Geschlechterrollen und Vielfalt von Identitäten“

Seit 2012 arbeitet die Suchtprophylaxe regelmäßig mit der FLUSS e.V. Initiative aus Freiburg zusammen. Die angebotene Veranstaltung umfasst drei Schulstunden und behandelt altersgerecht und schülernah lesbische, schwule, bi-, a-, inter- und transsexuelle sowie transgender und queere Lebensweisen sowie geschlechtliche und sexuelle Diskriminierungen. In 8. Klassen sind derartige Fragen einerseits hochinteressant (da sich die eigene Sexualität deutlich zu entwickeln beginnt) aber auch extrem tabubehaftet. Daher werden sie meist abwertend, in absolut unangemessenem Ton und ohne Kenntnis der Sachverhalte diskutiert – für alle die Schüler, die zu spüren beginnen, dass sie sich in eine dieser Richtungen entwickeln, ist dies der Weg in eine absolute persönliche Krise mit hohem Sucht- und (im Extremfall ) sogar Suizidrisiko.
Das Projekt macht in dieser Phase das Angebot, mit Betroffenen direkt in Kontakt zu kommen, sich zu informieren und zu einem angemessenen Umgang mit dem Thema zu finden. Die Teams kommen im Rahmen der Lehrplaneinheit Sexualität im Biologieunterricht zu einem Schulbesuch in alle 8. Klassen. Jeweils vier Personen betreuen dabei eine Klasse, so dass zwei Gruppen gebildet werden können und damit eine intensive Auseinandersetzung in einem kleinen und geschützten Rahmen für alle Schüler ermöglicht wird.

Die Begegnung mit Menschen, die bereit sind, über den oft schwierigen eigenen Weg zu berichten und Fragen dazu ohne falsche Scham aber auch in der gebotenen Form zu beantworten, beeindruckt viele Schüler tief. Seit drei Jahren wird die Veranstaltung bei den teilnehmenden Klassen über einen kurzen anonymen Fragebogen evaluiert. Die Veranstaltung selbst erhielt im Schnitt die Schulnote 1-2 und die Frage, ob die Schule solch eine Veranstaltung anbieten solle, wurde mit einem eindeutigen „Ja“ beantwortet.
Es zeigt sich über die Jahre hinweg, dass nichts so authentisch ist und so sehr Denkprozesse anstößt wie die unmittelbare Begegnung mit Menschen, die über ihr eigenes Leben berichten: Toleranz und Sicherheit im Umgang mit den anderen und mit sich selbst ergeben sich so von ganz allein.

Näheres zu der Initiative:
http://www.fluss-freiburg.de/