Die Mischung macht`s! Warum wir nicht Homo sapiens sind und Rassismus dumm ist.

 

Am 27. Januar 2020, auf den Tag 75 Jahre nach der Befreiung des KZ Auschwitz, wagte das Windeck-Gymnasium einen Blick in die noch fernere Vergangenheit. Wie sind wir Menschen entstanden? Gibt es überhaupt so etwas wie „Menschenrassen“?  Prof. Dr. Eberhard Frey, Hauptkonservator und Abteilungsleiter des Naturkundemuseums in Karlsruhe stellte sich diesen Fragen in einem spannenden und abwechslungsreichen Vortrag. Gemeinsam begaben wir uns auf eine gedankliche Reise in die ostafrikanische Savanne, in der vor 300 000 Jahren der Homo sapiens und seine Vorgänger lebten. Nach 10 Millionen Jahren im Wald schien in der Savanne der aufrechte Gang der Schlüssel zu mehr und besserer Nahrung, Schutz und erfolgreicherer Fortpflanzung zu sein. Weitere wichtige Entwicklungen wie die Vergrößerung des Hirnvolumens folgten, bis schließlich Homo erectus Ostafrika verließ und sich über die ganze Welt ausbreitete. In mehreren Wellen folgten ihm verschiedene, immer höher entwickelte Menschenarten, zuletzt Homo sapiens – mit schwarzem Kraushaar und schwarzer Haut. Im neuen Lebensraum trafen sie auf die dort bereits lebenden Menschen und vermischten sich mit ihnen. Wir heutigen Menschen sind (außer ganz ursprünglichen Nordafrikanern) also alle Mischlinge. Gerade diese Mischung machte uns zu den vitalen, intelligenten und anpassungsfähigen Individuen, die wir sind. Wenn es also keine Rassen gibt, wieso gibt es dann Rassismus? Frey verwies auf die Entstehung des Rassismus im 19. Jahrhundert: „Das war ein fataler biologischer Irrtum, man hat Biologie unzulässig mit Kultur vermischt. Es gibt für den Sozialdarwinismus keine biologische Grundlage.“ Die Vielfalt des Erbgutes innerhalb einer sogenannten „Rasse“ sei größer als zwischen diesen Gruppen – Rassismus sei somit ein widerlegtes Konstrukt. Es gehöre in die Zeit des Nationalismus (Darwin selbst war durchaus rassistisch orientiert) und sei mit der Wissenschaft des 21. Jahrhunderts nicht zu vereinbaren. 2019 hielt das Institut für Zoologie und Evolutionsforschung der Friedrich-Schiller-Universität Jena in der „Jenaer Erklärung“ fest: Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismusund nicht dessen Voraussetzung.

Frey fasste seine Thesen nochmals kurz zusammen:

  1. Unsere Vorfahren waren schlauer als wir denken.
  2. Wir sind alle Mischlinge des Homo sapiens.
  3. Ohne diese Vermischung würde es uns Menschen so gar nicht geben.
  4. Rassen zu diskriminieren ist daher dumm:

Verabschieden wir deshalb dieses Konzept auf den Müllhaufen der Geschichte.

Die Mischung macht´s also! Das Gelernte konnte umgehend im Mixen alkoholfreier Cocktails umgesetzt werden: Das Team von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ freute sich über eifrige Tester an der Saftbar und über 160 Euro Spenden für ein Fahrradprojekt in Uganda.

„Warum Rassismus dumm ist.“

Woher kommen wir? Und was sagt dies über unsere Gegenwart und Zukunft? Einen Blick in die Frühzeit der Menschheit wagt das Windeck-Gymnasium am Montag, dem 27. Januar um 19:30 Uhr. Am Tag zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus bilanziert Dr. Eberhard Frey klar: „Mischlinge eroberten die Welt!“ Das Team von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ lädt alle Interessierten ganz herzlich ein, dem Leiter Geowissenschaften am Naturkundemuseum Karlsruhe in die ostafrikanische Savanne zu folgen, mit dem Homo sapiens vor 120.000 Jahren auszuwandern und sich den die verblüffenden Forschungsergebnissen zur weiteren Entwicklung der Menschen zu stellen.

„Sag unseren Eltern, es war kein Dumme-Jungen-Streich!“

Anneliese Knoop-Graf hätten sicher Nathanaels Klavierstücke am besten gefallen – hatte sie doch ihr Leben insbesondere dem Dialog mit Schülerinnen und Schülern über die Weiße Rose gewidmet. In zahllosen Veranstaltungen sprach sie über den Widerstand junger Menschen im Dritten Reich: Aus erster Hand konnte sie über das kurze Leben ihres Bruders Willi Graf, seine Träume, Überzeugungen und Ziele berichten.  Kurz vor seiner Hinrichtung bat Willi Graf seine Schwester: „Sag unseren Eltern, es war kein Dumme-Jungen-Streich!“ Sie sagte es uns allen – und gab damit Willis Vermächtnis so an uns weiter.
Bei Kreisarchivar Martin Walter bedanken sich die Gruppe Amnesty international Bühl und das Windeck Gymnasium herzlich für seine ausführliche Würdigung des Lebenswerkes der Grande Dame und Bühler Ehrenbürgerin.

„Windeck setzt Vielfalt und Fröhlichkeit gegen Hass.“

Die Vorkommnisse in Halle sind nur neuerlicher Höhepunkt einer Entwicklung, die zutiefst bestürzt. Das Windeck-Gymnasium als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ kann und will zu dieser ungeheuerlichen Tat nicht schweigen. Das Courageteam hat daher beschlossen, ein deutliches Zeichen der Solidarität mit allen Juden und Jüdinnen zu setzen. Dazu hat die ganze Schule mit geholfen. Am Montag ab der ersten Stunde haben alle, die mitmachen wollten, einen großen Davidstern gemalt und diesen an die Fensterfronten der Klassenzimmer und des Einganges gehängt. So umzieht seit dem Ende des Vormittages ein breites buntes „Band der Solidarität“ die ganze Schule.

Wir vom Windeck setzen Vielfalt und Fröhlichkeit gegen Hass.

Nachlese zum BBQ: Fotobox mit Statements gegen rechts

„Gesicht zeigen gegen Gewalt und Ausgrenzung und für Vielfalt und ein buntes, schönes Miteinander“
Nachlese zur Fotobox – oder: Wie komme ich jetzt an die Bilder?

Einfach am Freitag, dem 26. Juli, dem letzten Schultag, zwischen 9:35 Uhr und 11:05 Uhr mit einem Stick in der Biosammlung vorbeischauen!
Oder
Barbara.Becker@windeck-gymnasium.de anmailen.

Die Ausstellung der Fotos findet im Rahmen der „Interkulturellen Woche“ ab dem Mittwoch, 25. September, in der Aula des Windeck statt.
Alle Interessierten sind ganz herzlich eingeladen.

Such Dir ein paar nette Motive aus!

Schülerinnen und Schüler arbeiten mit Flüchtlingskindern zusammen

„Hitlerjunge Quex“: Courageteam lädt zu Filmseminar ein

„Würdest du deine Familie und deine Freunde für eine neue politische Idee verraten?“ Heini Völker, Druckerlehrling und Sohn eines Kommunisten, lässt sich im Propagandafilm „Hitlerjunge Quex“ auf die Seite der Nationalsozialisten ziehen – wird er den geplanten kommunistischen Anschlag auf ein Hitlerjugendheim verraten? 

Das Courageteam des Windeck-Gymnasiums lädt am Montag, 28. Januar 19:00 Uhr zu einem Filmseminar ein, bei dem das Werk von Hans Steinhoff in der Mensa des Gymnasiums gezeigt und seine Propagandamittel dargestellt und bearbeitet werden. Der 1933 gedrehte Film zeichnet in suggestiven Bildern den Weg des Jungen aus der Welt der sozialistischen Jugendverbände in die Hitlerjugend. Unmittelbar nach der Machtergreifung beginnt der NS Staat mit der systematischen Indoktrination der Jugend: Die suggestive Macht bewegter Bilder im damals hochmodernen Massenmedium Kinofilm war das perfekte Mittel, um Jugendliche reichsweit zu erreichen. „Hitlerjunge Quex“ wendet sich dabei geschickt an Jugendliche, die naturgemäß beginnen, elterliche Autoritäten und Werte infrage zu stellen. Das Ziel ist klar – Quex´ Beispiel folgend sollen sie sich aus dem familiären Umfeld lösen und zur modernen neuen Welt des NS bekennen.  Heute schärft die Analyse der Propagandamittel den Blick für offene und versteckte Rechtspropaganda etwa im Internet. So soll das Film-Seminar die rassistische, volksverhetzende Propaganda des Nazi-Regimes entlarven und gleichzeitig für die Bedeutung von Toleranz und Demokratie sensibilisieren.  Die direkte Beschäftigung mit dem authentischen Film deckt zusätzlich die Falschdarstellungen des modernen rechten Geschichtsrevisionismus auf. Das Seminar wird ermöglicht durch die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung als Rechteinhaberin dieser Propagandafilme aus der Zeit des Dritten Reichs. Diese sogenannten „Vorbehaltsfilme“, deren Inhalt kriegsverherrlichend, rassistisch oder volksverhetzend ist, haben keine Freigabe der FSK. Das Team von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“  freut sich, zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus alle Interessierten herzlich zu diesem Filmseminar einladen zu können.
Menschen, die die Veranstaltung stören wollen, sind ausdrücklich nicht erwünscht.
Vom Hausrecht wird Gebrauch gemacht.

Gedenken an das Pogrom vom 9.November 1938

Genau 80 Jahre nach den schrecklichen Ereignissen des Novemberpogroms, bei dem deutschlandweit jüdische Geschäfte zerstört, Synagogen in Brand gesetzt und jüdische Menschen angegriffen, verletzt und erfordert wurden, fand in Bühl in Gedenken an die Opfer dieser unmenschlichen Aktionen statt. Nachdem der Bürgermeister der Stadt Bühl, Hubert Schnurr in einer Rede die Wichtigkeit eines gemeinsamen Gedenkens hervorhob, trugen Schülerinnen und Schüler des Windeck-Gymnasiums in einer bewegenden Rede die Ereignisse rund um den Bühler Synagogenbrand vor. Diese findet sich an dieser Stelle zum Nachlesen. 

2015
Chor: Enzkreis, Rems-Murr-Kreis, Main-Tauber-Kreis, Landkreis Lörrach, Bodenseekreis, Ostalbkreis

Vor 80 Jahren im November

Der Volkszorn gibt ein Schauspiel,
die Reichspogromnacht in Bühl

Es war schon sehr kalt gegen Mitternacht. Am Tag, am 9. November 1938, hatte die Temperatur zwischen 7 und 11 Grad geschwankt.
Ob in der Gartenstraße, in der Wohnung des Kreisleiters der NSDAP in Bühl, oder ob in der Eisenbahnstraße, in den Amtsräumen der Kreisleitung – Anschluss Nr. 748 – das Telefon klingelte, ist nicht mehr festzustellen.
Auch in Achern wurde jemand an den Apparat gerufen, der Führer des SA-Sturmes 13/111. Als er hörte, um was es ging, zog er vor, krank im Bett zu liegen.

Verlangt wurde, wie an vielen Orten in Deutschland, ,,spontaner Volkszorn“ der bewaffneten Mitglieder der Nazi-Partei gegen jüdische Mitbürger.

Die Befehle waren immer eindeutiger geworden: Gewalt gegen Juden, ihre Geschäfte, Wohnungen und Synagogen.

Am selben Tag waren bereits von anderen Städten Ausschreitungen gemeldet worden.

Friedrich Gißler aus Bühl konnte sich gut darüber informieren, denn er trug jeden Wochentag den ,,Führer“, die Parteizeitung für den ,,Gau Baden“, aus. Vorsorglich hatte er bei Dunkelheit, an einer Tankstelle im nördlichen Teil der Hauptstraße einen Kanister mit fünf Litern Benzin besorgt.

Er kann sich aus mit Sachbeschädigung, Zerstörung von Gräbern sowie bei Diebstahl in einem Gotteshaus – und für einen Teil dieser Taten war er bereits verurteilt worden.

Seit 1909 lebte er in Bühl. Eigentlich wollte er Bildhauer werden, hatte dann aber Elektriker gelernt. Seit 1933 bezahlte ihn die NSDAP als Austräger und Berichterstatter des ,,Führers“.

Gißler wusste, mit wem zusammen er die Aktion unternehmen konnte.
Da war ein weiterer ,,alter Kämpfer“, Hans Ringwald,1901 geboren.
Er hatte nach dem Abitur eine Banklehre gemacht, war seit.1932 SA-Mann, und „Kreiskassenleiter“ der NSDAP in Bühl.

Auch Eduard Philipp Jacob Börner hatte, nach der Mittleren Reife in einer Bank und in verschiedenen Tätigkeiten gearbeitet. Immer wieder war er arbeitslos gewesen.Wie viele andere in dieser Zeit konnte er sich als ein Opfer wirtschaftlicher Krisen und gesellschaftlicher Probleme sehen. Seit 1925 war er in der NSDAP und der SA. Er war neu in Bühl und hier als „Kreisamtsleiter“ der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt als „Fürsorgereferent“ tätig.

Wer machte sich also jetzt an die Arbeit?
Eine ziemlich kriminelle Existenz und zwei, die vielleicht überzeugte Nazis waren, vor allem aber von der Partei finanziell abhängig waren.
Keiner von ihnen war in Bühl geboren. Innerlich waren sie wahrscheinlich bereit zum Losschlagen, doch von sich aus wäre wohl keiner aktiv geworden.
Im Vergleich zu anderen Städten begannen sie sehr spät: Erst als sie in der Chefetage der Kreisleitung genügend instruiert worden waren, begannen sie, das zu mobilisieren,
was später in den Medien des NS-Staates als ,,spontaner Volkszorn“ verkauft wurde.

2016
Chor: Bodenseekreis, Landkreis Ravensburg, Landkreis Esslingen, Landkreis Heilbronn, Rems-Murr-Kreis, Landkreis Lörrach, Hohenlohekreis

 


Kurz nach 8 Uhr am Morgen wurden sie gesehen, wie sie sich, von der Kreisleitung kommend, zusammen mit einer Anzahl anderer Bühler vor dem Schuhhaus Lion in der Schwanenstraße zu schaffen machen. Da es bereits am Tage zuvor kleinere Aktionen gegen Juden und ihre Geschäfte

gegeben hatte, waren hier vorsorglich die Rollladen an den Schaufenstern heruntergelassen.
Rollläden und Fenster sind schnell eingeschlagen; als der Zug weitergeht, ist der Eingang des Geschäftes demoliert, drinnen die Regale umgestürzt. Schuhe liegen zerstreut herum, auch auf der Straße.

Am Johannesplatz stehen die Türflügel der Synagoge bereits offen.
Im Innern sind rasch die Bänke umgeworfen, und auf der Empore befinden sich schon andere. Börner klimpert auf dem Harmonium. Als Gißler, Ringwald und Börner wieder nach unten gegangen sind, wird das Harmonium

über die holzverkleidete Brüstung gewuchtet und stürzt krachend nach unten. Später klagt einer der drei, sie seien fast selbst getroffen worden. Schnell wird noch ein weiterer Befehl ausgeführt: In der benachbarten Wohnung des Kantors Bruchsaler suchen sie nach belastenden Schriftstücken. Nach knapp zehn Minuten geht es wieder zurück zur Kreisleitung.

Dort wird gemeldet, dass sich immer mehr Menschen auf dem Johannesplatz und den anderen Straßen in seiner Umgebung zusammenrotten, vor allem an der Hauptstraße und in der Grabenstraße. So kehren auch sie zurück zur Synagoge, vermutlich mit neuen Befehlen ausgestattet.

Inzwischen brennt im Synagogenhof ein Feuer: ein Teil des Inventars der Synagoge. Schon liegen Teile der Torarollen versengt zwischen Zwetschgenbäumen in den Gärten der Nachbarschaft.

Gißler, Ringwald und Börner gehen nochmals die Synagoge, in der noch immer andere herumstehen.

Anfangs wird nicht bemerkt, dass Gißler unten links an der Altarseite ein Feuer gelegt hat. Rauch steigt auf; noch sind keine Flammen zu sehen, doch alle stürzen hinaus. Jemand will den Teppich im Mittelgang retten. Da braust Ringwald auf: Wem passe das nicht, wer habe etwas dagegen?

Der Zug geht erneut die Schwanenstraße vor, zur Kreisleitung der NSDAP.

Eine Menge Leute steht auf dem ehemaligen Synagogenplatz in einiger Entfernung vom brennenden Gebäude. Inzwischen sind die Fensterscheiben der Synagoge geborsten.
Gißlers Frau Sophie wirft kurze, brennende Fackeln in die Fenster an der Nordseite der Synagoge. Von der Volksschule in der Hauptstraße sind eine Menge Schüler, mit oder ohne Erlaubnis der Lehrer, gekommen. Eine ganze Gruppe von Obersekundanern aus dem Realgymnasium am Stadtgarten eilt unter der Leitung ihres Turnlehrers im Laufschritt heran. Einige der Zuschauer sind entsetzt und sagen, dass sich das alles rächen werde. Andere – vor allem die bekannten Anhänger und Mitglieder

der NSDAP – johlen, als Gißler sich beim Verlassen der Synagoge triumphierend zeigt.

Die Feuerwehr schützt das anliegende Gebäude, unternimmt aber nichts zur Rettung der Synagoge.
Plötzlich ein Zwischenfall:
Die Flammen drohen auf das angrenzende kleine Lebensmittelgeschäft überzugreifen. Die Inhaberin stürzt mit der Ladenkasse in der Hand die niedrigen Treppenstufen hinunter. Sie stolpert. Das Münzgeld klirrt auf den Pflastersteinen, einige Viertklässler lesen es auf und geben es zurück. Als sie nach der großen Pause in die Schule zurückkommen, werden sie belohnt. Allerdings nicht für ihre Ehrlichkeit, sondern dafür, dass sie sich das wichtige Ereignis des Synagogenbrandes angeschaut haben.


Noch am Nachmittag schwelt es aus den Trümmern. Immer wieder treffen Neugierige ein.
Kreisleiter Rothacker in brauner Uniform macht zufrieden Stimmung für eine abendliche Kundgebung am Ehrenmal für die Gefallenen in der Eisenbahnstraße. Was an Einrichtungsgegenständen der Synagoge nicht verschwunden oder verbrannt ist, wird zum Abtransport gerichtet.
In der Schwanenstraße toben sich Jugendliche an den Häusern jüdischer Mitbürger aus.
Manche Mütter, so wird berichtet, weinen zu Hause.

Noch am nächsten Tag muss für Ruhe gesorgt werden. Wohl deshalb machen die Klassen des Realgymnasiums Ausflüge. Die Fünftklässler müssen in Religion erst ein Gebet aufsagen. Dann geht es auf einen geologisch-biologischen Lehrausflug. Die Klasse 7 macht eine „Biologische Wanderung“.

2017
Chor: Landkreis Karlsruhe, Bodenseekreis

1947 begann die juristische Bewältigung des Synagogenbrandes in Bühl.
Gißler, Ringwald und Börner bestritten, die Synagoge angezündet zu haben.
Sie hätten auch nichts zerstört und nichts geplündert. Nur aus Neugierde hätten sie einige Gegenstände in der Hand gehalten und betrachtet. Börner wollte sogar schon 1938 gegen die Übergriffe gewesen sein.
Das Gericht bedauerte, dass es aus den Zeugenaussagen keine zuverlässigen Angaben über die Anteile der einzelnen Angeklagten am Verbrechen entnehmen konnte.

Wegen schweren Hausfriedensbruches,
wegen einfachen Landfriedensbruches,
wegen Diebstahls und Verrichtung beschimpfenden Unfugs in einem Gotteshaus,
wegen Verfolgung aus rassischen Gründen

und wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit
wurden die überführten Täter letztlich verurteilt.

Ringwald und Börner erhielten Strafmilderung, weil sie nicht vorbestraft waren und die Tat inzwischen bedauerten.
Als straferschwerend wurde aber angesehen,
dass alle drei Angeklagten als bekannte Funktionäre der NSDAP den Bühler Straßenpöbel noch aufgewiegelt hätten.
Der Richter sagte, sie hätten dem deutschen Volk schwersten Schaden zugefügt.
Gißler wurde zu fünf Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt,
Ringwald zu einer Gefängnisstrafe von zehn Monaten,
Börner zu acht Monaten.


Der Bericht des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg konstatiert im November 2018:

Zusammengefasst lässt sich im Hinblick auf
Brandanschläge auf Asylunterkünfte nachfolgendes feststellen:

 

Straftaten gegen Asylunterkünfte im
Phänomenbereich „Politisch motivierte Kriminalität rechts“:

2015: 63 Straftaten, hiervon 6 Branddelikte

2016: 69 Straftaten, hiervon 7 Branddelikte

2017: 31 Straftaten, hiervon 2 Branddelikte


Für 2018 liegen noch keine abschließenden Zahlen vor.

 

Reichspogromnacht 2018, Foto Bernhard Margull

Reichspogromnacht 2018, Foto Bernhard Margull

Fortsetzung folgt! Der Französischkurs, der Kuchenverkauf und das moldawische Kinderheim

„Das ist mal eine gute Idee!“ Am Windeck-Gymnasium waren sich die Schülerinnen des Französischkurses J2 von Dirk Franke schnell einig: Sie wollten gern ein soziales Projekt unterstützen und Lehrerin Barbara Becker schlug eine direkte Unterstützung für ein Kinderheim in Bühls Partnerregion Kalarasch vor. Sie vermittelte den Kontakt zu Viorica Zaharia, der Frau des Feuerwehrkommandanten, dessen Zusammenarbeit mit der Bühler Wehr schon eine lange und gute Tradition ist. Zaharia arbeitet in einem Heim für Kinder und Jugendliche, das umgehend eine lange Wunschliste vorlegen konnte. Neben Stiften, Farbkästen und Malpapier fanden sich hier auch Regenschirme und – kleidung sowie der zunächst etwas rätselhafte Wunsch nach „Friseurleistungen“. Die Windeckerinnen organisierten einen Kuchenverkauf in der großen Pause und als Hausmeister Peter Hoch hörte, wozu das Geld verwendet werden sollte, beschloss er spontan, dem Kurs seine Brötchen kostenlos zur Verfügung zu stellen. „Einmal im Jahr sponsere ich ein Projekt, das ich besonders gut finde und das ist jetzt eures!“ teilte er dem hocherfreuten Kurs mit. Insgesamt kamen so mit den Hausmeisterbrötchen, den Muffins und Kuchen sowie einer kleinen Aufstockung der Lehrkräfte Franke und Becker („… damit´s ein schöne Summe wird!“) stolze 555 Euro zusammen. In einer kurzfristig umgewidmeten Französischstunde stellte Viorica Zaharia ihr Projekt Epitrop dem Kurs anhand einer Präsentation näher vor und freute sich, das Geld in Empfang nehmen zu können. Als Dolmetscher fungierten Corina Schmolenchi aus Moldawien und Johann Schmidt (junior) aus Bühl, der selbst ein ehemaliger Schüler des Windeck ist. Jetzt fand sich auch eine Erklärung für die Friseurleistungen auf der Wunschliste: Zaharia plant eine dauerhafte Absprache mit einem örtlichen Friseursalon, so dass die Jugendlichen dort regelmäßig einen richtigen Haarschnitt bekommen können. „Völlig korrekt – da fühlt man sich doch gleich ganz anders!“ war die einhellige Meinung der Schülerinnen, die dieses menschliche Grundbedürfnis nach Chic absolut nachvollziehen konnten. Nicolae Rozembac, der stellvertretende Rayonspräsident von Kalarasch, hatte es sich nicht nehmen lassen, bei der Spendenübergabe dabei zu sein. Er nahm die günstige Gelegenheit wahr, das ganze Windeck mit Fachräumen und Lehrerzimmer zu besichtigen: Insbesondere die Fachräume waren von großem Interesse. Seitens der Stadt Bühl begleitete die Partnerschaftsbeauftragte Bettina Streicher die moldawische Delegation. Sie bedankte sich für das spontane Engagement des Kurses und wies auf die internationale Ferienfreizeit Youto hin – die Anmeldefrist laufe bereits. Prompt stellte sich heraus, dass gleich mehrere der anwesenden Schülerinnen daran bereits teilgenommen und das Programm in bester Erinnerung hatten. Abschließend wurde verabredet, die frisch geknüpfte Verbindung von Windeck zu Epitrop am anderen Ende Europas nicht abreißen zu lassen: Barbara Becker versicherte, dass man sich am Windeck schon jetzt aktiv Gedanken darüber mache, wo und wie das nächste Projekt möglich sei. Ein klarer Auftrag für das Team von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“!

„Für Freiheit und Toleranz Farbe bekennen“

Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ im Windeck-Gymnasium eröffnet

Wir bedanken uns herzlich bei der Autorin Katrin König und dem „Acher und Bühler Boten“ für den Originalartikel vom 24.1.2018

Bühl (kkö). In Bertold Brechts Kinderhymne heißt es: „Dass ein gutes Deutschland blühe/wie ein andres gutes Land.“ Gesungen wurde die Hymne gestern von den Klassen 5a und 6b des Windeck-Gymnasiums zum Auftakt der Vernissage zur Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“: Die Friedrich-Ebert Stiftung stellt der Schule die Wanderausstellung noch bis 9. Februar zur Verfügung. Auf 16 Tafeln informiert diese über Facetten des Rechtsextremismus mit speziellem Fokus auf den Entwicklungen in Baden-Württemberg. In die Wege geleitet wurde die Kooperation mit der Stiftung vom Windeck-Team „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ um Lehrerin Barbara Becker. Mit deutlichen Worten stellten sich die Ehrengäste in der voll besetzten Schulaula hinter das Motto der Ausstellung: Regierungspräsidentin Nicolette Kressl, MdB Gabriele Katzmarek (SPD) und MdB Kai Whittaker (CDU), Bergsteiger Ralf Dujmovits als Pate des Courageteams sowie Bürgermeister Wolfgang Jokerst. Neben besagtem „Chor“ musizierten Sophie Jeuck (Querflöte) und Joshua Schute (Saxophon), die musikalische Betreuung hatten Martina Franzus und Micha Watta.

Die Hymne als Aufruf Brechts, nach dem Zweiten Weltkrieg ein „neues, friedliches, demokratisches Deutschland“ zu errichten, griffen Schülersprecher Pau Drexler sowie Mia Tausend vom Courageteam in der Begrüßung auf. Sie verdeutlichten: „Die ganze Schulgemeinschaft steht ein für eine starke Demokratie und für ein Leben in Menschenwürde. Ausgrenzung, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit haben an unserer Schule keinen Platz.“ Noreen Tausend und Katrin Khandali vom Courageteam skizzierten am Beispiel des diesjährigen Motto-Wettbewerbs (der ABB berichtete) die „coolen Aktionen“ des Teams, die Schüler und Lehrer aufforderten, „für Freiheit und Gleichwertigkeit, Toleranz und Demokratie Farbe zu bekennen“. Anschließend vertieften die Ehrengäste – im Vorfeld von Becker gebeten, ihr persönliches Motto zu skizzieren – ganz unterschiedliche Aspekte. Kressl ging dem Begriff „Demokratie“ nach: Diese mache eine ganze Gesellschaft und jeden Einzelnen stärker, weil sie auf der Freiheit des Individuums aufbaue. Sie bedeute zugleich eine stete Auseinandersetzung mit dem Grundgesetz. Der Schule attestierte sie, mit der Aktion einen wichtigen Baustein zum guten Zusammenleben beizutragen. „Lassen Sie nicht nach, sich für Toleranz und Offenheit einzusetzen.“ Kai Whittaker formulierte als Motto: „Keep cool and stay together.“ Er wisse, dass dies schwer umsetzbar sei. Um „zusammen zu bleiben“ gelte es schließlich, sich erst einmal zu begegnen und allen Gegensätzen zum Trotz – Religion, Hautfarbe, Herkunft, politisches Denken – nicht die Coolness zu verlieren. Katzmarek rief dazu auf, den Mut zu haben, sich neben jene zu stellen, die Fremdenfeindlichkeit begegneten. „Gut, dass Sie aufstehen und zeigen, dass Rassismus an Ihrer Schule und in Ihren Herzen keinen Platz hat.“ Dujmovits erläuterte an Beispielen ferner Länder die Bedeutung von Bildung, um keinen Nährboden für Rassismus und Extremismus entstehen zu lassen. „Lernt so viel ihr könnt, reist in die Welt und wagt zu träumen.“ Pako Chonsaranon, Schülersprecher der Bachschlossschule, sprach von Demokratie und Gerechtigkeit, Bürgermeister Jokerst von unausgewogenen Teilhabechancen der Menschen auch vor Ort: „Wenn sie das Gefühl haben, nicht mitgestalten zu dürfen, sind sie offener für Parolen von Populisten und Rassisten.“ Noch immer entscheide der soziale Hintergrund über Bildungserfolg und somit gesellschaftliche Teilhabe: „Hier müssen wir ansetzen.“ Schließlich dankten die stellvertretende Schulleiterin Andrea Körner und Barbara Becker allen Beteiligten, der gesamten Schulgemeinschaft und den Gästen für ihr Engagement.

Die Referentin des Fritz-Erler-Forums (Fritz-Erler-Forum mit Sitz in Stuttgart) Sarah Hepp stellte die Friedrich-Ebert-Stiftung und ihre Ziele vor und erläuterte, weshalb die Ausstellung entwickelt wurde: Zur Vermittlung demokratischer Werte wie „Freiheit im eigenständigen Denken, Gleichwertigkeit aller Menschen und die Demokratie“ als „einzig wirksame Mittel gegen die Ideologie der Nazis“. Seit 2010 sei die Ausstellung auf Wanderschaft in weit mehr als 100 Schulen, Rathäusern oder sogar Kirchen. Um nun auch am Windeck sach- und fachkundige Führungen zu ermöglichen, hätten sich einige Schüler zu „Guides“ ausbilden lassen, so Hepp: Sie überreichte diesen die entsprechenden Zertifikate und äußerte die Hoffnung, mit der Ausstellung zum Demokratieverständnis beizutragen. „Eine älter werdende Demokratie braucht vor allem eins – junge Demokraten.“

Die Preisträgerklassen 5a und 6b des Mottowettbewerbs eröffnen mit Bertold Brechts „Kinderhymne“

Mia Tausend und Pau Drexler begrüßen die Gäste und führen ins Thema ein

Zertifikate für die Guides! Und mittendrin (von links nach rechts) Bürgermeister Wolfgang Jokerst, Regierungspräsidentin Nicolette Kressl, Stellv. Schulleiterin Andrea Körner, Couragepate Ralf Dujmovits

Sophie Jeuck an der Querflöte, Micha Watta in der Begleitung

Joshua am Saxophon, die Bundestagsabgeordneten Gaby Katzmarek und Kai Whittaker sind beeindruckt

„Und jetzt alle!“ Martina Franzus und Barbara Becker bitten um stimmstarke Unterstützung

Artikel aus dem Badischen Tagblatt von Marius Merkel:

Mit Courage gegen Ausgrenzung und Gewalt