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Raus aus dem Schullalltag, rein ins Gastarbeiter*innen Leben

„Waaas?!“, „Wie soll das gehen?“ – Verzweiflung spiegelt sich in den Augen der Schüler*innen des Geschichte LKs der Jahrgangsstufe 1 des Windeck-Gymnasiums. Der Grund: Eine schier unlösbare Aufgabe, die die bisherigen Klausuren und das nahende Abitur wie eine Kleinigkeit erscheinen lassen:

Sie sollen aus einem Bastelbogen einen Traktor zusammenstecken. Was zunächst leicht erscheint, stellt sich als beinahe unlösbare Aufgabe heraus. Schließlich gibt es keine Anleitung, lediglich einige harsche Worte der Instruktion, auf verschiedensten Sprachen der Welt, von Arabisch bis Mandarin. Durch diese Aufgabe soll es den Schüler*innen leichter fallen, sich in „Gastarbeiter*innen“ hineinzuversetzen.

Gestellt wird dieser Bastel-Auftrag der besonderen Art bei einer Exkursion am 24.01.2022 ins Mannheimer Technoseum, wo die Jugendlichen neben der Dauerausstellung auch die Landesausstellung für Arbeit & Migration besuchen durften. Begleitet wurden sie hierbei nicht nur von Herrn Volk und Herrn Leppin, auch eine achte Klasse wohnte der Veranstaltung bei, obgleich diese nicht die Ausstellung für Arbeit & Migration besuchte, sondern an einer interaktiven Führung zum Thema „Energie im Wandel der Zeit“ teilnahm.

Die Exkursion, insbesondere die besuchte Landesausstellung, war, im Gegensatz zu den am Morgen durchgeführten Corona-Schnelltests, ein durch und durch positives Erlebnis für die Leistungskurs-Schüler*innen.

Zunächst nahm der Kurs an einer Führung durch die Sonderausstellung unter Museumsmitarbeiterin Sarah Lohoff teil. Bereits das Betreten der Expositionsräume war ein beeindruckendes Erlebnis:

Der völlig in Schwarz gestrichene Raum stand in starkem Kontrast zu den farbenfrohen Elementen der Ausstellung und spiegelte die „unglaublich vielen Facetten“, von denen Lohoff im Laufe der Führung immer wieder berichtete, perfekt wieder. Diese würden sich nicht nur auf das Thema Migration im Allgemeinen, aber auch auf die Menschen, die hinter dem Wort und die, die hinter der Ausstellung stünden, beziehen.

Die außergewöhnliche Ausstellung behandelt die Zeit seit den 1950er Jahren. Dabei fällt auf: Migration ist keine abgeschlossene Angelegenheit. „Migration gab es immer, wird es immer geben und Einwanderung hat unser Land zum Vorteil geprägt“, heißt es auf einer der Infotafeln. Immer wieder macht die Ausstellung auch darauf aufmerksam, dass Migration kein unangenehmer oder negativer Begriff ist, lediglich dann, wenn wir ihr zu einem machen. Doch genau das sei heutzutage leider oft der Fall:

Obwohl wir von Einwanderung auf verschiedenste Weise profitieren könnten, würden Migrant*innen auch heute noch benachteiligt und diskriminiert werden. So brächten sie neue Kulturen und neues Wissen und besetzten gleichzeitig Stellen prekärer Beschäftigungen, für die Deutsche „sich zu fein“ wären, wie etwa die harte Arbeit als Erntehelfer*in oder in der Pflege. Nichtsdestotrotz würden vor allem Kinder mit Migrations-Geschichte beispielsweise schulisch benachteiligt werden.

Nach der beeindruckenden Führung hatten die Schüler*innen viel Zeit, das Museum auf eigene Faust zu erkunden. Dabei ließen sie die Eindrücke der Exposition nochmals auf sich wirken, ehe sie die Dauerausstellung erkundeten. Zwischen einer Arbeiterwohnung, Webstühlen verschiedenster Ausführung und massenhaft anderen technischen Wunderwerken, wie etwa der Dampfmaschine oder einer Reihe alter Haushaltsgeräte, zeigten sich den Jugendlichen die Folgen und Veränderungen der Industrialisierung besonders deutlich. Das viele Wissen, was sie sich im Unterricht angeeignet hatten, bekam nun einen klareren Rahmen und eine dreidimensionale Struktur.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Exkursion ein voller Erfolg war. Nicht nur die Papp-Traktoren wurden, wenngleich nach vielen Minuten voller Frustration und bisweilen auch Kapitulation, erfolgreich zusammengebaut.  Ferner konnte auch das bisherige Unterrichtsgeschehen vertieft und der kritische Blick der Schüler*innen geschärft werden.

 

 

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