Stehende Ovationen für Laienensemble des Windeck

Theater-AG des Bühler Gymnasiums begeistert mit Inszenierung von Schnitzlers „Der grüne Kakadu“

Bühl (kkö). „In der Kneipe ‚Der grüne Kakadu‘ gehen merkwürdige Dinge vor. Schauspieler spielen Verbrecher, Verbrecher Schauspieler, und Adelige ergötzen sich an dem Nervenkitzel.“ So lautet das Resümee von Arthur Schnitzlers Groteske „Der grüne Kakadu“, das die Theater-AG des Windeck-Gymnasiums für ihre Aufführung am Montag lieferte. Gewiss: Ein knappes Fazit, das – vielleicht ganz bewusst – die Komplexität des Einakters nur erahnen lässt. In der Realität, pardon im Schauspiel, gelingt es dem Regie-Duo (den Lehrern Bob Blume und Nadine Wenzel) indes, Schnitzlers beißend spöttischen Blick auf die Dekadenz einer Gesellschaft zwischen Aristokratie und Subkultur, die im Umsturz begriffen ist, mit geballter Kraft, einem feinen Sinn für Ironie und wohltuend originalgetreu zu inszenieren. Sie setzen dabei auf eine starke, fast 20-köpfige Truppe von Schülern, die sich ihren Rollen mit jugendlicher Verve und beachtlichem Talent hingeben.

Anfangs sind die Grenzen zwischen „Schein und Sein“ noch recht klar gesetzt: Vor dem historischen Hintergrund der nahenden französischen Revolution ist der Handlungsort besagte Kneipe in Paris, geführt von Prospère, einem gescheiterten Theaterdirektor, der noch immer Schauspieler engagiert. Ihr Auftrag: Sich wie Kriminelle zu gebaren, um den adeligen Gästen das morbide Gefühl zu verschaffen, ganz nah dran zu sein an der düsteren Schattenwelt der Unterschicht, wobei sie sich in der Sicherheit eines Theaters wähnen. Einen realen Zug erhält das für den Wirt durchaus rentable Spiel mit der sozialen Ungleichheit erstmals, als der soeben aus der Haft entlassene Mörder Grain sich im Kakadu als Schauspieler verdingt. Auch lassen die Akteure das äußere Geschehen zunehmend in ihre Rollen einfließen, erzählen vom Volk, das gen Bastille marschiert, und machen sich in feurigen Reden dessen Wut auf die Mächtigen zu eigen, deren Reichtum und Arroganz sich doch im illustren Publikum des Wirtshauses spiegeln. Ihre Hass- und Hohnreden werden von den Adeligen anfangs noch vergnügt kommentiert. Nur Albin, ein dümmlicher Adeliger aus der Provinz, ruft immer wieder verängstigt nach Aufklärung, was denn nun zum Spiele, was zur Wirklichkeit gehöre; als draußen die Massen durch die Straßen jagen, fragt er mit unübertrefflicher Naivität: „Wird das auch von hier aus geleitet?“ Doch auch die erfahrenen Gäste erkennen allmählich, wie der äußere Sturm die Stimmung der „einfachen“ Bürger und Schauspieler in der Spelunke erfasst. Damit erfüllt sich eine Prophezeiung des Wirts: „Irgendwann kommt der Tag, an dem aus Spaß Ernst wird.“ Das gilt nicht etwa nur für historische Bezüge: Als Schauspieler Henri berichtet, er habe den Liebhaber seiner Frau – einen Herzog – getötet, sind die Anwesenden auch angesichts des einschlägigen Rufs der Gattin sicher, mit einer realen Tat konfrontiert zu sein; Henri liest darin den Wahrheitsgehalt seiner „Fiktion“. Das Eifersuchtsdrama wird, als der Herzog in der Kneipe auftaucht, zur blutigen Realität.

Die verschwimmende Linie zwischen Wahrheit und Lüge wird in der Inszenierung sensibel entwickelt; die Darstellung der konträren Charaktere, vom resoluten Wirt bis zum eitlen Schauspieler, überzeugt auf ganzer Linie. Im „echten“ Publikum weckt die Leistung des Ensembles denn auch zu Recht Begeisterung: Mit minutenlangen stehenden Ovationen wird es gefeiert. „Ich könnte heulen vor Stolz“, sagt ein strahlender Bob Blume am Ende. Und so geschieht es.

 

Wir bedanken uns herzlich bei Frau König, die uns den Artikel zur Verfügung stellte.