Zeitzeugin im Geschichtsunterricht der 9a

Am 06.06.2019, genau 75 Jahre nach dem historisch bedeutsamen D-Day,besuchte die 94-jährige HalbjüdinLieselotteHoyer die Klasse 9a des Windeck-Gymnasiums,um über ihre Zeit während des zweiten Weltkriegs zu berichten. Sieinformierte die Schülerinnen und Schüler über ihre Erfahrungen in ihrerJugendwährend des Zweiten Weltkrieges und schilderte auch ihreheutigeSicht der Geschehnisse.

Frau Hoyer wurde 1925 als Halbjüdin geboren, da ihr Vater ein Jude war. Da sie keinen Ariernachweis vorweisen konnten, galten sie als Halbjuden.

Vor dem Krieg wurde ihr mit acht Jahren der Eintritt in den Bund deutscher Mädel verweigert. Auf dem Gymnasium durfte sie nicht mehr mit ihren Freunden reden, die als „Arier“ eingestuft worden waren, und musste die Schule ohne Abschluss verlassen. Sie hatte auch wenige jüdische Freunde in derselben Situation. Ihr großer Bruder konnte seinen Abschluss jedoch noch machen.

Später musste ihr Vater in dem KZ Theresienstadt arbeiten und durfte eine Zeit lang nur alle vier Wochen nach Hause kommen. 1942 wurde er gezwungen, seine eigene Mutter dorthin zu deportieren. Der Abschied ihrer Mutter fiel FrauHoyer sehr schwer, da sie wusste, dass sie diese nie wieder sehen würde. Sie realisierte aber den Verlust erst später. Sie selbst hat wenig von den Deportierungen mitbekommen, da sie von ihren Eltern davor geschützt wurde. Das Einzige, das sie mitbekam, waren die Novemberpogrome und später, nach Ausbruch des Krieges, die Bombenangriffe. Ihre Großmutter, Elise Rheinhold, musste damals als Einzige einen Judenstern tragen und durfte nicht mehr in der Oper auftreten.

 

1938 wollte ihre Familie, wie viele andere jüdische Familien, auswandern. Jedoch wurde dieser Plan durchkreuzt, da ihre Mutter mit ihrem kleinen Bruder, den Frau Hoyerspäter eigenständig großziehen musste, schwanger wurde.

Mit ihrer Generation redet sie nicht mehr über die Kriegszeit, da viele durch deren Kindheit vom Nationalsozialismus geprägt worden sind.Sie möchte vielmehrmit jungen Leuten über ihre Erlebnisse sprechen,weshalb sie die Einladung ins Windeck-Gymnasium auch gerne annahm.

Die Zeitzeugin erzählte viel von den so genannten Stolpersteinen, welche eine Erinnerung an die verstorbenen Juden sind. Auf den Messingplatten ist festgehalten, welches Schicksal die jeweiligen Personen erlitten haben. Die Stolpersteine wurden vor den jeweiligen Häusern der Verstorbenen niedergelegt. Solche Stolpersteine existieren auch für ihre Großeltern Elise und Otto Rheinhold vor ihrem Elternhaus in Hannover. In Bühl wurden die Stolpersteine größtenteils in die Wände eingelassen.

Sie sieht auch vieleParallelen zwischen den Flüchtlingen heute und damals. Die Auswanderungsbasis war jedoch eine andere. Sie ist der Ansicht, dass man Verständnis für die Flüchtlinge haben soll, da diese meist nur aus Angst geflohen und durch ihre Erlebnisse traumatisiert sind.

Ihrer Meinung nach gibt es in der Politik immer noch gefährliche nationalsozialistisch veranlagte Parteien, von denen sie fürchtet, dass sie eine erneute Hasswelle hervorrufen könnten.

Sie versucht einerseits, nicht mehr so viel über die vergangene Zeit nachzudenken, hat andererseits jedoch auch begonnen, sich teilweise gegen feindliche, v.a. antisemitische,Aussagen zu verteidigen.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Frau Hoyer, dass sie uns im Unterricht besucht hat, um uns über ihre Vergangenheit zu erzählen.

 

Ein Bericht von Celine Himmel und Maximilian Reinfried