Gefeierte Auftritte der Theater-AG!

Mit Standing-Ovations ist die zweite und letzte Aufführung der Theater-AG des Windeck-Gymnasiums zu Ende gegangen. Fast ein Jahr Arbeit steckte in einem Theaterstück, das die Zuschauer bis zur letzten Sekunde in Atem hielt.
An dieser Stelle können Sie einige Impressionen von der Generalprobe anschauen. Der folgende Artikel wurde von Katrin König verfasst und erschien zunächst im ABB.

Beklemmender Theaterabend am Windeck

Wuchtige Inszenierung des Miller-Dramas „Hexenjagd“ durch die Theater-AG/Regie führte Bob Blume

Bühl (kkö). Arthur Millers „Hexenjagd“ entstand 1953 auf dem Höhepunkt der Kommunistenverfolgung in den USA. Das Drama bezieht sich auf einen Fall von Hexenverfolgung in Salem (Massachusetts) im 17. Jahrhundert, der nicht nur exemplarisch für die aufgeheizte Stimmung in der McCarthy-Ära steht, sondern generell aufzeigt, wie aus Ängsten, Neid und Missgunst eine Atmosphäre des Hasses und der Gewalt entstehen kann. Die Theater-AG des Windeck-Gymnasiums unter Leitung von Bob Blume setzte das Werk in all seiner Düsternis um: In Kooperation mit der Bühnenbild-AG, der Jazz-Combo und der Trommel-AG, weiteren unterstützenden Lehrern sowie Hausmeister Peter Hoch, der bei der Erstaufführung am Donnerstag neben Bob Blume geradezu gefeiert werden sollte, entstand eine beeindruckende Inszenierung, die freilich mehr als reine Begeisterung über die enorme Leistung der weit über 20 Mitwirkenden auch ein Gefühl von Beklemmung hinterließ – und die Frage, inwieweit die Geschichte des hysterischen Pöbels, der Denunziation Unschuldiger, der zur absoluten Wahrheit hochstilisierten Lügen im Jahrhundert der „Fake News“, des Cyber-Mobbings und, vor allem, der Kriege, teils entfesselt im Namen Gottes oder der „Moral“, nicht aktueller ist denn je.

Bild von der Aufführung am Donnerstag, den 6.6.

Das Drama beginnt mit dem nächtlichen Tanz junger Frauen im Wald: Nachdem Reverend Parris (stark: Marius Wocke) die jungen Frauen bei ihrem – im puritanischen Salem verbotenen – Tun überrascht hat, verstummen und fiebern einige von ihnen; wie sich später herausstellen wird, täuschen sie die Krankheitssymptome aus Selbstschutz nur vor. Schnell entsteht unterdessen der Verdacht, dass es sich um Teufelsanbetung gehandelt habe. Exorzist ReverendHale wird mit der Untersuchung des Falles beauftragt. Die Mädchen erkennen, dass sie einer Bestrafung entgehen, wenn sie andere beschuldigen. Der stellvertretende Gouverneur Danforth und Richter Hathorne eröffnen ein Gericht: Wer leugnet, wird hingerichtet, so die Strategie. Zahlreiche unbescholtene Bürger sterben. Ein eindringliches Bild des zunehmenden Chaos sind die Kühe, die herrenlos durch Salem irren. Einer der wenigen, der zunächst noch glaubt, dem Wahnsinn Einhalt gebieten zu können, ist John Proctor (brillant dargestellt von Alex Behelfer), ein rechtschaffener Bauer, der allerdings mit einem der Mädchen – Abigail – in der Vergangenheit eine Affäre hatte, die seine Ehe überschattet. Dass Abigail Johns Frau der Hexerei bezichtigt, zeigt besonders deutlich auf, wie egoistisch und verlogen die Hintergründe der Hatz sind. Johns verzweifeltes Bemühen um Wahrheit scheitert, der Prozess entgleitet sogar Hales Kontrolle. Die Obrigkeit spielt sich als Gottes ausführende Hand auf, allerdings immer mehr aus Angst, das Gesicht zu verlieren – zu sichtbar ist längst das Lügengerüst, auf dem die Verurteilungen basieren. John gesteht schließlich, von Hale und Danforth unter Druck gesetzt, mit dem Teufel im Bunde zu sein, zerreißt aber sein Geständnis: Mit seinem Tod am Strick endet das Stück.

Das Miller-Drama geht an die Substanz. Es an einem Gymnasium umzusetzen, ist gewagt, zumal es mehr als zwei Stunden dauert, viel Brüllen, Weinen und Kreischen beinhaltet und Ortswechsel impliziert (am Windeck wurde dies über vier Einzelbühnen in der Mensa gelöst, Gefängniszelle inklusive). Ob der begrenzten Möglichkeiten und der jungen Darsteller lässt sich dem Ensemble jedoch eine überaus spannende, atmosphärisch dichte und sehr ernsthafte Umsetzung attestieren. Ein eisiger, konzentrierter, unbequemer Abend. Chapeau.

BU: Das Drama „Hexenjagd“ in der Inszenierung von Bob Blume lebte neben der starken schauspielerischen Leistung auch von expressiver Maske, Lichteffekten und passenden Kostümen.