Begegnung mit einem Tausendsassa

„Auf nackten Sohlen geht es durchs Haus, die kleinen verwaschenen Flickenteppiche wie Eisschollen auf dem grau melierten Linoleum schlingern“ – auch dieser Satz bricht in die scheinbare Idylle von Kindheitserinnerungen ein, gerade wenn Jochen Heckmann seinen im Jahre 2008 mit dem Heinrich-Vetter-Literaturpreis ausgezeichneten Text „Grüne Füsse“ selbst vorliest. Durch seinen Textvortrag und die Diskussion mit Schülerinnen und Schülern der Klasse 10a verdeutlicht er wiederholt, welche Alltagsbeobachtungen hinter seinen Kurzprosastücken stehen und welche Leerstellen beabsichtigt sind, um Leserinnen und Leser zum Nachdenken anzuregen. Wird die ältere Rollstuhlfahrerin durch die junge Luftgitarrenrockerin im Zimmer gegenüber am Ende der Geschichte gerettet, obwohl sie „In the mood“ war, ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen? Wir alle werden auch aus dem möglicherweise hysterischen Lachen nicht ganz schlau, auch Glenn Miller kann uns am Ende nicht helfen.

Die 90 minütige Begegnung mit dem Bühnentänzer, Choreograf, Autor und mittlerweile „künstlerischen Leiter an der Höheren Fachschule für Zeitgenössischen und Urbanen Bühnentanz“ in Zürich am vergangenen Freitag in der Mediathek war für alle Beteiligten ausgesprochen interessant, da man selten die Möglichkeit erhält, mit Schriftstellern über ihre Texte zu sprechen. Viele Fragen drehten sich auch um ihn, sowohl als Tänzer und Schriftsteller, um seine Themen bzw. um die Themenfindung: (Kindheits)-Erinnerungen, aber auch das Thema der Hoffnung zieht sich thematisch durch Heckmanns Texte! Am Ende seines Besuches steht fest, Jochen Heckmann ist ein ausgesprochen genauer Zuschauer, der viele seiner Alltagsbeobachtungen und -begegnungen tänzerisch oder auch literarisch umsetzt. Alle unsere Fragen konnten beantwortet werden, offen blieb nur, wie man tänzerisch die Vergangenheit oder die Zukunft darstellt – vielen Dank für das gute Gespräch und die inspirierende Begegnung!

Homepage von Jochen Heckmann