„Für Freiheit und Toleranz Farbe bekennen“

Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ im Windeck-Gymnasium eröffnet

Wir bedanken uns herzlich bei der Autorin Katrin König und dem „Acher und Bühler Boten“ für den Originalartikel vom 24.1.2018

Bühl (kkö). In Bertold Brechts Kinderhymne heißt es: „Dass ein gutes Deutschland blühe/wie ein andres gutes Land.“ Gesungen wurde die Hymne gestern von den Klassen 5a und 6b des Windeck-Gymnasiums zum Auftakt der Vernissage zur Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“: Die Friedrich-Ebert Stiftung stellt der Schule die Wanderausstellung noch bis 9. Februar zur Verfügung. Auf 16 Tafeln informiert diese über Facetten des Rechtsextremismus mit speziellem Fokus auf den Entwicklungen in Baden-Württemberg. In die Wege geleitet wurde die Kooperation mit der Stiftung vom Windeck-Team „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ um Lehrerin Barbara Becker. Mit deutlichen Worten stellten sich die Ehrengäste in der voll besetzten Schulaula hinter das Motto der Ausstellung: Regierungspräsidentin Nicolette Kressl, MdB Gabriele Katzmarek (SPD) und MdB Kai Whittaker (CDU), Bergsteiger Ralf Dujmovits als Pate des Courageteams sowie Bürgermeister Wolfgang Jokerst. Neben besagtem „Chor“ musizierten Sophie Jeuck (Querflöte) und Joshua Schute (Saxophon), die musikalische Betreuung hatten Martina Franzus und Micha Watta.

Die Hymne als Aufruf Brechts, nach dem Zweiten Weltkrieg ein „neues, friedliches, demokratisches Deutschland“ zu errichten, griffen Schülersprecher Pau Drexler sowie Mia Tausend vom Courageteam in der Begrüßung auf. Sie verdeutlichten: „Die ganze Schulgemeinschaft steht ein für eine starke Demokratie und für ein Leben in Menschenwürde. Ausgrenzung, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit haben an unserer Schule keinen Platz.“ Noreen Tausend und Katrin Khandali vom Courageteam skizzierten am Beispiel des diesjährigen Motto-Wettbewerbs (der ABB berichtete) die „coolen Aktionen“ des Teams, die Schüler und Lehrer aufforderten, „für Freiheit und Gleichwertigkeit, Toleranz und Demokratie Farbe zu bekennen“. Anschließend vertieften die Ehrengäste – im Vorfeld von Becker gebeten, ihr persönliches Motto zu skizzieren – ganz unterschiedliche Aspekte. Kressl ging dem Begriff „Demokratie“ nach: Diese mache eine ganze Gesellschaft und jeden Einzelnen stärker, weil sie auf der Freiheit des Individuums aufbaue. Sie bedeute zugleich eine stete Auseinandersetzung mit dem Grundgesetz. Der Schule attestierte sie, mit der Aktion einen wichtigen Baustein zum guten Zusammenleben beizutragen. „Lassen Sie nicht nach, sich für Toleranz und Offenheit einzusetzen.“ Kai Whittaker formulierte als Motto: „Keep cool and stay together.“ Er wisse, dass dies schwer umsetzbar sei. Um „zusammen zu bleiben“ gelte es schließlich, sich erst einmal zu begegnen und allen Gegensätzen zum Trotz – Religion, Hautfarbe, Herkunft, politisches Denken – nicht die Coolness zu verlieren. Katzmarek rief dazu auf, den Mut zu haben, sich neben jene zu stellen, die Fremdenfeindlichkeit begegneten. „Gut, dass Sie aufstehen und zeigen, dass Rassismus an Ihrer Schule und in Ihren Herzen keinen Platz hat.“ Dujmovits erläuterte an Beispielen ferner Länder die Bedeutung von Bildung, um keinen Nährboden für Rassismus und Extremismus entstehen zu lassen. „Lernt so viel ihr könnt, reist in die Welt und wagt zu träumen.“ Pako Chonsaranon, Schülersprecher der Bachschlossschule, sprach von Demokratie und Gerechtigkeit, Bürgermeister Jokerst von unausgewogenen Teilhabechancen der Menschen auch vor Ort: „Wenn sie das Gefühl haben, nicht mitgestalten zu dürfen, sind sie offener für Parolen von Populisten und Rassisten.“ Noch immer entscheide der soziale Hintergrund über Bildungserfolg und somit gesellschaftliche Teilhabe: „Hier müssen wir ansetzen.“ Schließlich dankten die stellvertretende Schulleiterin Andrea Körner und Barbara Becker allen Beteiligten, der gesamten Schulgemeinschaft und den Gästen für ihr Engagement.

Die Referentin des Fritz-Erler-Forums (Fritz-Erler-Forum mit Sitz in Stuttgart) Sarah Hepp stellte die Friedrich-Ebert-Stiftung und ihre Ziele vor und erläuterte, weshalb die Ausstellung entwickelt wurde: Zur Vermittlung demokratischer Werte wie „Freiheit im eigenständigen Denken, Gleichwertigkeit aller Menschen und die Demokratie“ als „einzig wirksame Mittel gegen die Ideologie der Nazis“. Seit 2010 sei die Ausstellung auf Wanderschaft in weit mehr als 100 Schulen, Rathäusern oder sogar Kirchen. Um nun auch am Windeck sach- und fachkundige Führungen zu ermöglichen, hätten sich einige Schüler zu „Guides“ ausbilden lassen, so Hepp: Sie überreichte diesen die entsprechenden Zertifikate und äußerte die Hoffnung, mit der Ausstellung zum Demokratieverständnis beizutragen. „Eine älter werdende Demokratie braucht vor allem eins – junge Demokraten.“

Die Preisträgerklassen 5a und 6b des Mottowettbewerbs eröffnen mit Bertold Brechts „Kinderhymne“

Mia Tausend und Pau Drexler begrüßen die Gäste und führen ins Thema ein

Zertifikate für die Guides! Und mittendrin (von links nach rechts) Bürgermeister Wolfgang Jokerst, Regierungspräsidentin Nicolette Kressl, Stellv. Schulleiterin Andrea Körner, Couragepate Ralf Dujmovits

Sophie Jeuck an der Querflöte, Micha Watta in der Begleitung

Joshua am Saxophon, die Bundestagsabgeordneten Gaby Katzmarek und Kai Whittaker sind beeindruckt

„Und jetzt alle!“ Martina Franzus und Barbara Becker bitten um stimmstarke Unterstützung

Artikel aus dem Badischen Tagblatt von Marius Merkel:

Mit Courage gegen Ausgrenzung und Gewalt